Bitte servieren Sie unseren Gästen wieder Herr Rabl.
Dienstag, 24. Mai 2011
Montag, 11. April 2011
Der Frittat
Nachdem ein essender Mensch, wenn er nicht kugelrund werden will, sich ab und an bewegen muss, beschloss ich die Prater-Hauptallee entlang zu spazieren. Im Unterholz links und rechts der Straße herrschte ein reges Treiben. Sich bückende Menschen schienen irgendetwas einzusammeln. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass hier in großen Mengen Bärlauch gebrockt wurde. Nachdem mir dieser Bärlauch in seinen mittlerweile unzähligen Speisevarianten eher auf die Nerven geht, verlor ich ziemlich rasch das Interesse an den sich bückenden Damen und Herren. Eigentlich hatte ich ja gehofft endlich einmal zuschauen zu dürfen wie der gemeine Frittat gefangen wird. Mein guter Freund Felix erzählte mir schon vor längerer Zeit, dass er in seiner Kindheit oft und gerne im Prater auf Frittatenfang war. Und zwar mit einer oder mehreren Holzboxen, ähnlich wie eine Fischreuse konstruiert, und einem Brocken Tafelspitz als Köder bestückt. Die Boxen wurden bei Einbruch der Dunkelheit verteilt und hoffentlich gut gefüllt am nächsten Morgen wieder eingesammelt. Nun hatte ich leider noch nie das Glück eine wirklich echte Frittatensuppe zu mir zu nehmen, laut Felix soll es eine wirklich vorzügliche Delikatesse sein. Gemäß einem alten Wiener Rezept werden die Frittaten mit feingehackten Schalotten in etwas Butterschmalz angeröstet und dann mit ein wenig Weißwein (am besten Gemischter Satz) abgelöscht. Die so zubereiteten Frittaten werden dann mit einer kräftigen Rindsuppe serviert. Am Ende meines Spaziergangs angelangt, gönnte ich mir im dann Wiener Lusthaus eine Frittatensuppe, die zwar ganz OK war, nur wird anstelle des echten Frittats leider, wie fast überall, dieser vegetarische Ersatz verwendet. (sf)
Sonntag, 10. April 2011
Fahr mit mit dem knallgelben Autobus.
Der Esser muss, um an seinen Genuss zu kommen, unsagbare Strapazen auf sich nehmen. Doch er ist konsequent und stur auf dem Weg zu den besten Essen der Welt. Der führt ihn dann öfter nach Paris. Mehr darüber demnächst. Dieses Mal nur über die Rechnung. Sie muss bezahlt werden und fällt heftig aus. Am Flughafen (CDG) pferchen sie die Passagiere des Wienflugs in einen Bus. Gelb war er, glaube ich. Drinnen gefühlte 50 Grad. Dann fahren sie uns von einem Ende des Flughafens zum anderen Ende. Dort wartet nämlich der Flieger. In dem Bus ist es so eng, dass an ein Umfallen nicht zu denken ist. Man schwitzt und hofft, dass man selbst nicht der erste sein wird, der kollabiert. Ein Franzose (Business Class) schreit etwas von "Bataille", das ist eine Schlacht. Ich weiß nicht, was sie am Flughafen Charles de Gaulle gegen harmlose Ess-Touristen wie mich haben. Immerhin trage ich den Ruhm ihrer Küche in die Welt hinaus und in meinem Bauch ein paar exzellente Essen. Aber wenn man einem diese Behandlung noch einmal angedeihen lässt, muss das ernste Reaktionen nach sich ziehen. Ich überlege noch, aber es könnte sein, dass ich in diesem Blog dann schreibe, in Paris würde man gar nicht so gut speisen , wie es heißt. Oder aber ich verrate alle Geheimtipp-Bistros und die sind dann voller Touristen, die den Ortsansässigen die Plätze wegessen. Oder aber: ich nehme gleich in Wien den Bus. Schlimmer kann es nicht mehr werden. (ar)
Der getarnte Stängel

Den perfekten Rhabarberstängel fand ich gestern im Wiener Stadtpark. In Begleitung eines wunderbar flaumigen Topfenknödels und eines Zitronenmelisseneises lag er auf meinem Teller. Täuschend echt, ein wenig an die artifiziellen Marzipanfrüchte sizilianischer Zuckerbäcker erinnernd, sein Äußeres. Eine Essenz der Rhabarber sein Inneres. Dieses ursprünglich aus dem Himalaja kommende Gemüse wurde zu Eis verarbeitet und mit seiner leicht dehydrierten Schale wieder eingepackt. Mit einem Glas burgenländischem Furmint begleitet ergibt das eine Pilgerstätte für alle Rhabarberliebhaber. (sf)
Gegessen und getrunken in der
Meierei im Stadtpark
Am Heumarkt 2A, 1030 Wien
Tel. +43 (1) 713 31 68
Freitag, 18. März 2011
Dieser Teller rettete mein Leben/Folge 2
Lämmer, ihr blöden Viecher, Ihr könnt ja nicht lesen. Aber wenn es ein paar Intelligenzler unter euch gibt, die es doch können, dann lest das: Wenn Ihr Euch bei mir wichtig machen wollt, wovon ich zweifelsfrei ausgehe, dann lebt in einer Gegend, wo es viel Salz gibt, also in der Bretagne, in Ostfriesland oder in Schottland. Denn das Salz, das vom Meer hereingeweht wird, landet auf der Wiese. Und Ihr esst Gras und das Salz und das Aroma von Jod verleihen euch eine einmalige Würze. Wisst Ihr, was das ist, Würze? Würze ist das, was Euer Fleisch so besonders macht, Ihr Blödmänner. Und dann kommt Ihr am besten als Rücken auf meinen Teller. Aber nicht irgendwo, sondern bei Alexander Mayer in dem kleinen Restaurant Martin. Alexander Mayer ist kein Lamm, sondern ein gescheiter Koch. Er weiß, wie man mit Euresgleichen umgeht. Er belässt Euren Rücken die notwendige Portion Fettrand, denn den lieben Esser wie ich. Er brät Euch perfekt rosa, denn er hat das Fleischgaren im kleinen Finger. Und er serviert Euch nicht mit der ewig gleichen faden und erdenschweren Lammsaftreduktion, sondern mit einem knallig safrangelben Schaum und Gemüsen, die mich stark an Südfrankreich erinnern. Und wartet nicht bis Ostern, bis Ihr Euch bei Herrn Mayer vorstellt. Die meisten seiner Gäste finden das Fasten davor nämlich nur gut, solange man es jederzeit brechen kann.
Dienstag, 15. März 2011
Donnerstag, 17. Februar 2011
Dieser Teller rettete mein Leben/Folge 1
Es sind dann doch die einfachen Dinge. Blödsinn. Es sind die guten Dinge. Die wirklich guten Dinge, die uns an ein Weiterleben vor dem Tod glauben lassen. Frischer Kaviar kann das sein. Oder eben ein Teller Nudeln. Ein Teller Nudeln? Genau der. Alberto Stefanelli kochte einen Teller mit Tagliolini in einer überirdisch guten Buttersauce mit Erbsen. In Italien sagt man zu Erbsen Piselli. Das klingt einfach anders. Das erklärt, warum die Italiener trotz Berlusconi in unseren Herzen diesen festen Platz haben mit ihren Capriinseln, mit ihrem Pavarotti und ihrem Brunello die Montalcino. Alberto Stefanelli löst die Piselli mit der Hand aus/lässt auslösen. Eine Heidenarbeit, nichts für den effizienten Kocher. Denn der effiziente Kocher will für wenig Mühe satt werden. Arbeitsaufwand für ein Essen ist ihm suspekt. Da wäscht er lieber am Wochenende auf der Straße sein Auto mit der Hand oder bastelt eine Eisenbahn. Dieser Teller bei Alberto war lebensrettend, denn er schmeckte einfach so unglaublich gut und dann gab es auch noch geriebenen Parmesan dazu, wie man es aus Italien kennt. Die Weine, die es in Alberto Stefanellis unsagbar liebenswerten und immer so knackend vollen Enoteca gibt, brauche ich hier nicht beschreiben. Ich sage nur: Biondi Santi. Der ist der teuerste und gar nicht immer der beste Wein. Wie gesagt: im suizidgefährdeten Wien sollte es mehr Albertos geben. Gibt es aber nicht. Dafür ein göttliches Tiramisu, dem man sich an dieser Stelle demnächst widmen wird. Eigentlich gebe ich die Adresse nur ungern her, so gut gebucht ist das Lokal in letzter Zeit. (ar)
Bacchus, Margareten Strasse 36, Wien 4, Tel.: +43 1 585 6692
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