- - -
Contributors: Alexander Rabl (Text) +++ Stefan Fuhrer (Layout)+++
- - -

Freitag, 12. November 2010

Das süße Aroma des Schlachthofs.





Gestern bei Hohensinn. Er kocht jetzt, was eh schon alle wissen, weil schon wieder alle darüber geschrieben haben und, wie zu erwarten, voll des Lobes, in Weibels Experimentierstube, auch Weibel 3, später Wein in the City, genannt. Ich schreibe Experimentierstube, weil Patron Weibel, dem die Ehre zukommt, das Wort Weinbar in Wien zum ersten Mal buchstabiert zu haben, hier eine Menge toller Köche herangezüchtet hat, denen das kleine Lokal aber bald irgendwie zu klein wurde, weswegen sie woanders Karriere machten. Darunter: der großartige, verrückte Filipou und der etwas weniger verrückte, aber ebenso lobenswerte Günter Mayer. Josef Hohensinn und seine Partnerin sorgen jedenfalls dafür, dass das an ein postmodernes Pariser Bistrot erinnernde Beisl aus den Nähten platzt. Vielleicht, aber sicher nicht nur deswegen kommen die Gäste und Hohensinn-Afficionados deshalb, weil Hohensinn das Bruckfleisch wieder auf der Karte hat, mit dem er schon gemeinsam mit Gerer im Korso Erfolge feierte. Damals gab es in der Bristolbar zum Bruckfleisch Grießnockerl und weiße Trüffel. Heute muss man sich mit einem Kräuterknödel begnügen. Auch gut. Seit Lehmannbrothers haben sich die Zeiten geändert. Das Bruckfleisch war exzellent, vielleicht etwas lange gekocht. Aber da war diese Süße, die den Tischkollegen mehr irritierte als mich. Seit wann sind Schlachthofabfälle (Aorta & Co) süß? Ha, entdeckte da der Franzose am Nebentisch: es sind die Preiselbeeren! Preiselbeeren im Bruckfleisch. Darüber muss man beim nächsten Besuch noch reden mit Herrn Hohensinn. Nicht aber über die rosa gebratenen Kalbsnieren oder den Marzipan-Apfel-Schmarrn. Beide waren herrlich. (ar)

Kommentare:

  1. Hochwerter Herr Rabl, ich begnüge mich auch gerne mit Hohensinns "Kräuterknödel" wenn Trüffel darüber kommen würden (was ich in der Theorie auch wieder - habs nie probiert - eh nicht sooo passend finde) Übrigens, meine Großonkel in USA haben mir, lange bevor sie Pleite gingen, eines Ihrer zwei N's vermacht bzw. abgetreten. Machte mich nicht so richtig glücklich denn auch mit 2 N's im Namen sind die Fotografenhonorare immer mehr in dazu geeignet, es meinen Großonkeln gleich tun zu müssen.

    AntwortenLöschen
  2. Was soll ich sagen? Es gibt keine Honorare mehr. Deshalb gibt es auch diesen Blog ...

    AntwortenLöschen